"Die Faltan meines Herzens wollen immer zusammenkleben, um es zu öffnen müsste ich sie immer wieder auseinanderreissen."
Ludwig Wittgenstein
"Der, der da wandert auf Erden
Dessen Füsse Werden sich anfüllen mit Wasser.
Wer da aber wanderte im Himmel,
Dessen Herz füllet sich an mit Wasser."
Ebu'l-Hasan Harakani |
1.
Deine Geschichte hatte in dieser Nacht ihren Anfanggenommen, an dem Tage, da du dein zwölftes Lebensjahr erreicht hattest. Es war der vierzehnte Februar. Auch an diesem Abend hattest du dich wie jeden Abend früh zu schlafen gelegt. Nach dem gemeinsamen Studieren der Lektüren hast du dich, deinem Vater noch einen schönen Abend wünschend, in dein Zimmer zurückgezogen. Wie immer hast du dich auf deine rechte Seite gelegt und bist in den Schlaf gesunken. Ýn deinem Traum rief er dich zu sich. Mit einem Schauern bist du erwacht. Du bist aufgestanden, hast dich leise angezogen und das Haus verlassen. An alles, was danach geschah konntest du dich nur noch schemenhaft erinnern.
Euer Haus lag inmitten der alten Festung. Wenn man die Steigung hinabging, kam man an ein Viadukt. Die Strasse war menschenleer, nur das vereinzelnde Bellen der Hunde war zu hören...Wie ein Schatten bist du zu der Kümbet Moschee geglitten. Es war, als ob eine Hand sich deinem Herzen genehert hette und es halten würde. Auf dem Weg dorthin, hast du einen Gruss an die Apostel gesand. Wie verzaubernd wirkte die Moschee im Lichte des Mondes. Ýn früheren Zeiten war sie eine Apostel Kirche. Du bist auf die grosse hölzerne Tür der Moschee zugegangen. Seine Erhabenheit war wie ein Himmel, der sich über dich erhob und dich voll und ganz einzunehmen schien.
"Dein Wort wird wahr", hast du leise zu dir selbst gesprochen, "Viele werden herbeigerufen, doch wenige werden auserwehlt...Endlich hat er dich gerufen...Du gehst zu ihm. Du gehst den Weg des Verzichtest auf deiner Selbst."
Nun stehst du vor seinem Grabmal. Ein paar Hunde hatten sich im Kreis um die Platane gelegt und blickten dich aus ihren halb verschlafenen Augen an. Ganz vorsichtig bist du neher getreten. Die Hunde haben dich kaum beachtet. Dann hast du ein Seil, das du mitgenommen hattest, um deinen Hals gelegt. Das Ende des Seils hast du an einen weit herabhengendem Ast der Platane gebunden. Auf deinen Knien sinkend hast du deine Hende zum Gebet erhoben.
"An Deine Schwelle hast Du mich gerufen. Keine grössere Ehre als diese kann mir je widerfahren. Hier stehe ich nun an Deiner Tür. Wie diese Hunde hier möchte auch ich Dir treu ergeben sein! Bitte erweise mir Deine Annahme!"
Mit verschlossenen, weinenden Augen waren es diese flehenden Worte, die nur stammeld aus deinem Munde kamen. Schweigend hatte dein Warten begonnen. Wie lange du wohl dort verweilt bist, daran konntest du dich nicht erinnern. Plötzlich öffnete sich das Grab, wie ein Wort, das die Stille durchbricht. Langsam hat er sich aufgerichtet. Er war wie man von ihm erzehlte: seine Stirn war breit, er trug einen grauen Bart und einen schwarzen Turban um den Kopf und er hatte gelbbraune Augen. Es waren seine Augen, die dich in ihren Bann zogen. Dein Herz schien stehenzubleiben....
Er lechelte dich an. "Du gehörst von nun an zu Uns. Wir haben dein Gesuch angenommen...." Er streckte seine Hand nach dir aus und strich dir über deine Haare. Für eine Zeit verweilte seine Hand auf deiner rechten Schulter. Er flüsterte dir noch ein paar Worte zu und ist anschliessend verschwunden.
2.
Meine Geschichte hatte so nicht angefangen.
Du hattest mich rein auf diese Erde entsandt, doch konnte ich mich selbst nicht schützen. Mit Schmutz an mir haftend werde ich zu Dir zurückkehren.
Ých weiss, dass das Wasser, das Dir am meisten gefellt, die Trenen der Sündigen sind. Aus diesem Grund muss ich stendig weinen.
Ých habe versucht auf diesem Wege zu wandern, doch konnte ich es nicht. Ých glaubte den Wegweiser gefunden zu haben, doch habe ich mich geirrt. Unaufhörlich habe ich stendig in meinem Ýnnern zu dir gesprochen, in der Hoffnung Du würdest mich erhören. Nun da es zu spet ist, habe ich gelernt, erst dann zu reden, wenn ich gewiss darüber bin, dass Du mir zuhörst.
Es waren die Dreharbeiten über eine Dokumentation, die mich in diese Stadt, an diesen Ort geführt haben. Doch kann ich weder mir Selbst einen Ort, noch in meinem Ýnnern einen Raum erwerben.
Wehrend das Flugzeug zur Landung in der Sadt Kars ansetzete, war das erste, was ich von dieser Stadt warnahm, dieses Gebaude. Da war die Apostel Kirche, die König Abbas errichten liess. Sie war angeordnet wie ein vierblettriges Kleeblatt. Und ein Weg, etwas unterhalb der Kirche, er wurde von einem Fluss unterbrochen. Noch weiter unterhalb dieses Weges konnte ich eine Minarette erblicken, die von den Kanonenkugeln aus den Zeiten der russischen Besetzung halb zerstört war und letztlich wieder einen Weg...Mir war bewusst, dass die Reisenden dieses Weges, die Nacht dem Tage bevorzugten.
Vom Flughafen aus sind wir in ein heruntergekommenes Drei Sterne Hotel gefahren und haben uns dort unseres Gepeckes entledigt. Wir waren ein fünf Mann Team.
Nach dem wir uns eingescheckt haben gehen wir auf unsere Zimmer.
Ých habe zu erst die Akkus zum Aufladen angeschlossen und anschliessend meinen Koffer ausgepackt. Es ist abgemacht, dass derjenige, der zu erst an der Rezeption ist, die anderen anruft. Noch ist Zeit.
Ých habe mein Tagebuch ausgepackt und es auf das Regal gestellt. Alles, dessen ich mich entledigen kann, lasse ich zurück...das Foto meiner Tochter, den Roman, der von der Nehe als Feuer erzehlt, die Schachtel Gitanes Blondes, mein Zippo, deine Umarmung zum Abschied, dein Lecheln, dein Atmen, die Spuren auf deinen Augen, deinem Mund...einfach alles lasse ich zurück. Ých kann diese brennende Unruhe in meinem Ýnneren nicht berühren. Eine Unruhe, die stendig, unaufhaltsam grösser wird und mich zu ersticken droht. Ých liebe die Nacht mehr noch als den Tag. Die Vorhenge sind ganz steif vor lauter Schmutz, ich ziehe sie zu. Das Zimmer riecht nach Feuchtigkeit.
Am Tage wird mir meine Zeit von anderen entwendet, so dass ich die Nechte mit dir verbringen kann.
Vielleicht ist das der Grund, warum ich am Tage zu einem anderen Menschen werde
Wenn ich mit dir bin, werde ich zu deiner Selbst.
Es klingelt und ich gehe runter in die Lobby.
Unsere Stadtrundfahrt in einem Bus beginnt.
3.
Die Stadt ist von Schnee bedeckt. Es schneit immer noch. Weren da nicht die Mauern der Gebaude, die Stabe der Balkongitter, die Schornsteine, aus denen es dampft, die Autos, die den Schnee auf den Strassen in Matsch verwandeln und letztendlich die Menschen, die sich von einem Ort zum anderen bewegen, könnte man glauben, dass das Weiss unendlich were...Nichts were dann zu sehen...Das Gedicht von Lale wird plötzlich in mir wachgerufen:
"Manchesmal scheint etwas sichtbar zu werden/ und manchesmal ist es nicht zu sehen/ manchesmal scheint etwas sichtbar zu werden/ manchesmal ist es nicht zu sehen/manchesmal...
Das Gedicht schmilzt dahin.
Wenn man die Strasse sich rechts am Hotel haltend hinunterfehrt, stösst man ungefehr hundertfünfzig Meter weiter auf zwei riesige Pferdestatuen. Zwei Pferde geztützt auf einen Betonsockel, die ihre linken Beine hochhaltend dort trohnen. Sie sehen entsetzlich aus.
"Schauen Sie sich diese prachtvollen Werke an, einen Dank an diejenigen, die sie aufgestellt haben, wer auch immer sie sind!" meldet sich unser Fahrer enthusiastisch zu Wort.
"Na wer wohl, die Stadt liess sie hier errichten!" antwortet unsen Regisseur.
Alles wirkt so unendlich trostlos, nahezu verzweifelt. Die Hauser und die Leden wirken wie nur sodahingestellt und wie von Beton erdrückt...Die meisten der russischen, armenischen und osmanischen Palaste wurden verputzt und angestrichen, die grauen und gelben Quader sind nicht mehr zu sehen. Die Fenster bestehen aus PVC, an Stelle der alten Hauptoren hat man eiserne Türen gestellt...obwohl verborgen unter einer dicken Schneedecke, ist der Müll auf den Strassen doch zu sehen. Es liegen Obst und Gemüsereste herum und unter einem leicht wehendem kalten Wind werden Zeitungsfetzten und Mülltüten umhergewirbelt.
Wir kommen an den Ort, an dem diese Stadt vor Tausend Jahren gegründet wurde
Wir fahren an einem quadratförmigen zweistöckigem Palast vorbei. Ahmet Muhtar Paþa steht unter einer recht formlosen Büste geschrieben.
Der Fluss teilt die Stadt in zwei Helften. Wenn man die Brücke überquert, gelangt man auf den Weg, der ins Festunginnere führt. Auf der rechten Seite sind zwei Löwenstatuen zu sehen, die noch fürchterlicher als die vorherigen Statuen wirken. Diese eigenartigen Dinge, die uns auf jeden Schritt und Tritt, wie eine Sphinx, befolgen, vertiefen das Gefühl der Befremdlichkeit. Endlich erreichen wir die Kümbet Moschee. Der Fahrer besorgt uns den Schlüssel von dem Þeyh des Derwischklosters, das sich im Nebengebaude der Evliya Moschee befindet. Die Moschee steht auf einem leeren, weiten Land Die Kuppel dieses Bauwerkes, dass sich aus der Einsamkeit zu erheben scheint, ist von Schnee bedeckt.
Wir gehen hinein. Achtzehnhundert Jahre alt sind die kalten, ergrauten nonfigurativen Verzierungen, die von keiner menschenhand berührt wurden, sie ziehen uns wie die Stimmen der Steine und die Erinnerungen, die umherschweben, in ihren Bann.
Das Team befindet sich draussen und ist dabei, sich Gedanken darüber zu machen, aus welchen Winkel man die Minarette, die trotz der vielen Kanonenschüsse, die sie wehrend der russischen Besetzung erleiden musste, stolz auf ihren Beinen steht, am besten ins Bild setzten kann. Der Bazaltstein der Minarette gleicht einem Schwamm. Ých denke daran, dass meine Lungen genau in diesem Zustand sein können. Zudem nehme ich jeden Tag dutzende Schmerztabletten zu mir. Ých erinnere mich zwar nicht daran seit wann das so ist, aber es geht schon seit Jahren so. Es ist ein Leben voller Migrene das ich führe. Jeden Morgen erwache ich mit Kopfschmerzen. Wenn der Schmerz nach einer Stunde so heftig wird und den Punkt erreicht hat, wo er meinen ganzen Tag bestimmen wird, bin ich nicht mehr in der Lage einen anderen Geschmack ausser dem Gift, dass ich zu mir genommen habe auf meiner Zunge wahrzunehmen. Sobald der Schmerz etwas nachlesst, versuche ich mit ihm über den Tag zu kommen. Ein mittelstarker Schmerz insbesondere um meine Augen, verlesst mich nie. Es ist ein Schmerz, der sich in Ohrhöhe, ganz sachte ins innere meines Gehirnes, mehr noch in die Mitte meines Gehirnes vertieft. Je tiefer er wandert um so heftiger wird er. Mein Blick trübt sich, mir wird übel, Licht und jegliche Gerausche werden zur Qual. Ýn diesem Zustand möchte ich weder an die Zukunft noch an die Vergangenheit denken. Jeder Moment meines Daseins wird mit diesem Schmerz vergiftet.
Ých liebe meine Arbeit nicht. Ých möchte alleine sein. Gerne würde ich mich jetzt zurückziehen in mein Zimmer, mich auf das Bett legen, meine Augen schliessen, in der Hoffnung sie nie wieder öffnen zu müssen und in einen tiefen Schlaf sinken...das ist alles, was ich will.
Da, die Stimme des Regisseurs, er ruft nach mir.
Ých gehe hinaus. Ein Ballonverkaufer geht vorüber. Da steht en Kasettenverkaufer. Aus den Boxen des Kasettenverkaufers dröhnt dieses Lied:
"Sie tragen die Leichen davon auf ihren hölzernen Reifen..." Ein Hund bellt.
Der Regisseur steht neben dem Brunnen.
"Einige der Leichen sind lebendig" dröhnt das Lied weiter.
"Wir machen es folgendermassen" sagt er zu mir, "pass auf, also hier vor der Moschee wird er entlanggehen bis zum Nordtor des Kümbet, dann nehmen wir es im weiten Winkel auf. Danach werden sich die beiden unterhalten, wir schwenken die Kamera um und dann nach..."
"Diebe wandern umher, Diebe wandern umher" ist das Lied weiter zu hören.
4.
Es schneit immer noch, als wir in die Evliya Moschee gehen, um uns mit dem Þeyh zu treffen.
Ým Hof spielen die Kinder Schneeball.
Eine alte Frau tritt aus der Küche des Derwischklosters. Als sie uns erblickt, senkt sie ihren Blick und eilt davon. Einige turteltauben versuchen ein paar Brotkrumen zu erhaschen.
Unser Regisseur unterhelt sich mit dem Mann, der neben dem Sadirvan steht. Er fragt ihn was, der Mann zeigt auf das Zimmer des Seyh. Ganz sachte begeben wir uns hinein. Er sitz im Schneidersitz in einer Eckke. Er tregt ein schwarzes Gewand, das mit einer goldgelben Borde umsaumt ist. Seine Filzmützte ist mit einem schwarzem Tuch umbunden . Sein braunes, welliges Haar fellt ihm auf die Schulter. Aus blauen Augen blickt er uns an und spricht mit einer leisen Stimme. Der Schein der Kerzen hinterlesst spielend sein Licht auf den Sitzkissen, dem Wasser in der Karaffe, auf den Knien derer, die sich im Zimmer befinden, auf ihren Haaren und auf ihren Stirnen.
"Wenn du erst einmal Zugang zu Seinem Gesprach gefunden hast, so werden meine Worte von keinem Nutzen mehr für dich sein. Wenn du Seiner Freundschaft nicht begegnet bist, was kann dir die Begegnung meiner Freundschaft von Nutzen sein? Das wertvollste an deiner Zeit, sind die Momente, die du mit Ýhm verbracht hast. Die Nehe der Nehe geht einher mit der Ferne der Ferne, in der wir uns befinden. Wenn du in den Spiegel blickst, wirst du dein Gesicht als nah empfinden und diesem Bilde trügend willst du erreichen...."
Er blickt auf den Boden. Der Mann, der neben ihm sitzt, lauscht still seinen Worten. Die Worte scheinen sein Herz tief zu treffen, sie berühren einen Ort in seinem inneren Wesen und scheinen den Knoten dort zu lösen...Mit dem Gefühl des Befreit werdens nimmt die Ruhe in ihm zu.
Der Þeyh spricht langsam und ruhig weiter :
"Wer zu dicht am Wasser steht, der wird ertrinken. Steht einer zu dicht am Feuer, so droht er zu verbrennen.Eines Tages ging ich nach Damaskus, um dort einen Derwisch zu besuchen. Es war jemand, dem viel Leid und Unheil widerfahren war. Ých fragte ihn, wielange er schon in diesem Zustand des Unglückes verweilen würde. Seit dreissig Jahren würde er so leben antwortete er mir, "doch bat ich ihn nicht ein einziges mal, mich von diesem Unglück zu erlösen" fügte er noch hinzu."
Einige der Zuhörer atmeten tief ein nachdem sie dieser Begebenheit gelauscht hatten. Die Ruhe vertiefte sich weiter.
Der Þeyh wandte sich an den Mann und sagte mit einer noch leiseren Stimme:"Die Nehe ist gleich dem Feuer, doch haben wir keine Angst davor zu verglühen. Dies ist der Mensch, der da findet das Glück im Feuer wie einst Abraham."
Nach Ende seiner Worte erhebt er sich langsam von seinem Platz. Er schaut uns an. Für einen kurzen Moment treffen sich unsere Blicke. Er lechelt mir zu. "Seien Sie herzlich wilkommen, kommen Sie, setzten Sie sich doch hirhin Bitte." Sagt er zu uns.
Alle velesst langsam den Raum. Nachdem man sich gegenseitig nach dem Befinden gefragt hat, wendet er seinen Blick nicht von mir ab. Er lesst Tee und Kadayýf Dolmasý servieren, ein jeder von uns bekommt einen Teller vorgesetzt.
"Welch Mühe Sie sich gemacht haben..." sagt unser Regisseur.
"Unser Hazret (Heiligkeit) hatte an die Tür seines Derwischklosters folgende Worte einmeisseln lassen: Wer auch immer an diesen Ort kommet, gebt ihm Speise, fraget nicht nach seinem Glauben.
Der, dem das Leben geschenkt wurde, ist es wert, an Seinem Tische gesegnet zu werden."
Er schweigt. Unser Techniker fengt an zu essen, doch stören ihn seine eigenen Gereusche beim Essen und still schweigend legt er seinen Löffel nieder.
"Meister, wir möchten in unserer Dokumentation die Wichtigkeit der Heiligkeit Harakani für Kars betonen..." meldet sich der Regisseur zu Wort.
Seine Stimme schmilzt plötzlich dahin, meine Ohren werden angefüllt von der Stille, der Ruhe, die ich soeben erfahren hatte. Ein Brennen füllt meine Brust. Sein Name ist es, dieses Wort, das mein Herz verglühen lesst.
"Harakan....Harakan..." ich höre diese Worte und sehe plötzlich ein Auge vor mir.
Ein Berg steigt vor meinen Augen empor.
Eine Siluette entsteht.
"Harakan" flüstere ich. Wie kann es sein, dass ein einziges Wort einen so tiefen Eindruck hinterlassen kann. Wieder treffen sich meine Blicke mit denen des Þeyhes, diesesmal ist sein Lecheln noch offenherziger.
Der Regisseur hat das Wort an sich gerissen und erzehlt lang und breit über die geplante Arbeit.
Er hört ihm zu. Jeder im Team stellt dem Þeyh eine Frage über die Dinge (spiritueller Natur) , die ihnen unklar sind. Er antwortet ihnen mit wenigen Worten.
Wir gehen hinaus.
Er führt uns an die Orte, an denen wir zu drehen gedenken.
Wir gehen ein in das Grabmal (Türbe). Trotzdem die Tür relativ breit ist, bittet uns der Þeyh vorsichtig zu sein. Duckend treten wir ein.
"Wer auch immer diese Tür gemacht hat, hat sie wohl falsch ausgemessen, mein Meister!" sagt unser Fahrer.
"Die Tür des Derwischklosters unserer Heiligkeit (Hazret) ist auch so."
"Hat das eine besondere Bedeutung?" fragt unser Regisseur.
"Dieser erste Schritt ins Derwischkloster steht für die Demut und die Bereitschaft auf sein Selbst zu verzichten."
Um das Grabmal herum stellen wir uns im Kreise auf.
Die Augen des Þeyh sind geschlossen, er rezitiert etwas leise vor sich hin.
Wir stimmen mit ein in seine Rezitation.
Nachdem wir ein paar Minuten dort verweilen, treten wir aus dem hölzernem Vorhang, der die Türbe umgibt.
Ein letztes Mal blicke ich auf sein Grabmal. Dort sehe ich es schon wieder, das selbe Auge. Mein Herz steht in Flammen.
Der Þeyh verabschiedet uns mit den Worten:" Ých erwarte euch Morgen zum Frühstück."
"Wir möchten Sie auf keinen Fall belestigen, mein Herr, es were angebrachter, wenn wir erst gegen Mittag zu den Dreharbeiten..." sagte unser Regisseur, doch lechelte der Þeyh und antwortete: "Ých erwarte euch."
Da hing eine Tafel über der Tür. Einer aus unseren Team fragte den Þeyh nach der Bedeutung der Worte, die auf ihr stehen.
"Wo ein instendiges Flehen existiert, dort ist Er das Ziel
wo es Streit gibt, ist der Mensch das Ziel."
(Seyh= Scheich; so wird das geistige Oberhaupt eines Ordens bezeichnet, ein geistiger Gelehrter) |