
Als man Michel Foucault ins Krankenhaus brachte trug er Handschellen um seine Handgelenke und seine Kleider waren mit einem Seil verschnürt. Er war gerade eingetreten, als sich die Handschnellen öffneten, sein Körper sich von den Bändern befreite und die Ketten brachen. Er setzte sich mit den anderen Patienten an den Tisch. Seine Erschütterung ließ langsam nach und hörte endlich auf. Der neue Umstand schien seine Aufmerksamkeit gefangen genommen zu haben. Nach dem Essen brachte man ihn in sein Zimmer. "Hier ist alles für ihre Freiheit und ihr Wohlbefinden hergerichtet worden", sagte der Pfleger. Foulcault sah den Mann an, als würde er durch ihn in die Leere blicken. "Solange sie nicht gegen die allgemeingültigen Prinzipien der menschlichen Ethik handeln, haben sie hier keine Schwierigkeiten zu erwarten", führte der Pfleger seine Rede fort. Er dachte darüber nach, daß er dieser Milde gegenüber nicht unempfindlich bleiben konnte.
Er versprach dem Pfleger, daß er sich bemühen werde. Seine Unzufriedenheit war ungebrochen, doch verschreckte er die Bewohner des Krankenhauses nicht. Sobald er anfing zu zittern, erinnerte der Pfleger ihn an sein Versprechen. Er bedrohte ihn damit, daß er in sein früheres Leben werde zurückkehren müssen, falls er sich nicht beruhigen würde. Eine zeitlang wurden seine Beunruhigungen stärker, vermehrten sich, nahmen dann ab und Milde überkam ihn.
Sie ließen Foulcault Worte hören, die wie Opium auf ihn wirkten. In einem Zimmer- gegenstandslos und still ließen sie ihn die Worte vernehmen. Er war betäubt und wurde weich.
Nach sechs Monaten wurde er entlassen. Er stand in der Tür und blickte eine zeitlang auf die Stadt. Weder glich er seiner selbst noch die Stadt ihrer selbst.
"Es besteht nicht der kleinste Unterschied darin, drinnen oder draußen zu sein", sagte er und ging seines Weges. |